Bollschweil/Wittnau

Schloss in Bollschweil

Als Vögte des Klosters St. Ulrich kamen die Schnewlins 1303 in den Besitz des Klosterhofes in Bollschweil, das wiederum 1445 unter die Oberhoheit von Österreich kam (Neubau des Schlosses 1770, Abb. links). Zur Herrschaft Bollschweil gehörte auch Wittnau. Die Herrschaft konnten die Schnewlin Bernlapp von Bollschweil als einzige der vielen Zweige der Familie Schnewlin bis zum Ende des alten Reiches halten.

Am Ende des 18. Jahrhundert hatten die Schnewlin Bernlapp von Bollschweil zusätzlich noch Ortsherrschaften in Merzhausen, Niederwinden und Yach (Teilherrschaft) inne.

Familie Schnewlin: Die Schnewlins (Ministerialen der Staufer?) sind das älteste und blieben eines der bedeutendsten Patriziergeschlechter in Freiburg. Die Familie stellte in Freiburg viele Ratsherren und mehrere Bürgermeister. Im 13. Jh. erwarben sie großen Grundbesitz im Breisgau. Es sind 14 Linien der Familie bekannt: u.a. Schnewlin von Landeck (Stammsitz bei Mundingen), Schnewlin von Wyger/Weyher (bei Emmendingen), Schnewlin von Kranznau/Kotz (bei Bötzingen/Buchenbach), Schnewlin von Wiesneck (bei Buchenbach), Schnewlin von Wylher/Weiler (Stegen), im Hof (Freiburg), Schnewlin Gresser. Der Bollschweiler Zweig bestand bis 1837.

Wappen: Das Wappen aller Schnewlin war ein quergeteiltes Schild: oben gold, unten grün; hier eine Abbildung aus dem Rathaus Endingen.

Grenzsteine: ältere Grenzsteine mit dem einfachen Wappen, der untere grüne Anteil wird bei manchen zur Unterscheidung schraffiert dargestellt. Die Beispiele stammen A: von der Grenze gegenüber Kirchhofen (Könneritz) von 1552; B: Dreimärker ∆ Wittnau/Sölden (Bombast von Hohenheim)/Ebringen (Bodman) von 1562; C: gegenüber Ebringen (Bodman) von 1565 mit der Inschrift BA.STEIN für Bannstein; D: gegenüber Ebringen (Hohenlandenberg) von 1596; E: und gegenüber Ebringen (inzwischen direkt vom Kloster St. Gallen verwaltet) von 1624.

Vermehrtes Wappen der Schnewlin Bernlapp von Bollschweil: Der Bollschweiler Zweig der Schnewlins führte in späterer Zeit (18. Jahrhundert) ein vermehrtes Wappen mit dem Stammwappen in 2 und 3 mit einem Schnörkelmuster im goldenen oberen Teil, einem schraffierten (grünen) unteren Teil, sowie Bärentatzen in 1 und 4. Im 18. Jahrhundert erscheint dieses vermehrte Wappen an den Grenzen immer wieder in abgewandelter Form. Hier dargestellt ist eine Kopie aus dem 20. Jahrhundert vom „Hohbannstein“

Die gezeigten Exemplare zeigen unterschiedliche Zusammensetzungen der Elemente des vermehrten Wappens: E: das Schnörkelmuster im einfachen Schnewlinwappen von einem Dreimärker ∆ Bollschweil/Wittnau/St. Ulrich von 1750; F,G,H: das „korrekte“ vermehrte Wappen in Beispielen gegenüber St. Ulrich (St. Peter) von 1750 (F), gegenüber Kirchhofen  (St. Blasien) von 1781 (G) und Kirchhofen (St. Blasien) von 1727 (H).
I,J,K: Künstlerische Freiheit herrscht auch in den Beispielen der unteren Reihe von 1722 gegenüber Kirchhofen: die Elemente werden frei kombiniert, aus dem Schnörkelmuster werden Zweige, aus den Bärentatzen scheinen Bären geworden zu sein.

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